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Die neue Berchtesgadener Land Bahn
Start mit dem neuen Betreiber und FLIRT-Triebwagen ab Fahrplanwechsel 2009


von Peter Brandl und
Arnulf Schuchmann

Mit dem internationalen Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2009 beginnt auch auf der knapp 34 Kilometer langen Strecke Freilassing – Berchtesgaden ein neues Zeitalter. Ab diesem Tag nimmt die Berchtesgadener Land Bahn (BLB) ihren Betrieb auf. Neue, moderne Fahrzeuge „FLIRT“, Schaffnerbetrieb und dichter Taktfahrplan an 365 Tagen im Jahr sind nur einige Merkmale der neuen Bahn.
 

Anmerkung der Redaktion: Anders als in diesem Artikel beschrieben, wird die BLB vorerst mit angemieteten Ersatzfahrzeugen pünktlich starten, da sich die EBA-Zulassung für die FLIRT-Triebwägen verzögert hat - mit dem Einsatz der FLIRT-Triebwägen ist ab Ende Jänner zu rechnen.

Aktuelle Informationen unter: www.blb.info

 

Historische Entwicklung
Seit 1860 konnte man per Bahn von München über Salzburg nach Wien reisen. Und schon sechs Jahre später errichtete die Königlich- Bayrische Staatsbahn (KBayStsB) die Strecke von Freilassing nach Reichenhall (erst ab 1890 „Bad“ Reichenhall). Dort war vorerst Schluss, da die Topographie in Richtung Süden erheblichen Widerstand bot. Gerade aber der Tourismus wie auch die Salzindustrie verlangten eine adäquate Erschließung von Berchtesgaden. Es gingen aber noch einige Jahre vorüber, bis die Eisenbahn Berchtesgaden erreichen sollte. Vorerst wurden Trassenstudien erstellt, wobei die Höhendifferenz von Reichenhall zum Hallthurm-Pass von 230 Meter eine Herausforderung für die Bahningenieure darstellte. In der Planungsphase wurden die verschiedensten Trassen geprüft, auch an eine Realisierung als Zahnradbahn wurde gedacht. Schlussendlich wurde aber die Trasse gewählt, wie sie heute noch besteht, wobei Steigungen über 40 Promille zu überwinden sind. Nach kurzer Bauzeit verkehrte im Herbst 1888 der erste Dampfzug – vorgespannt war die eigens von der Firma Krauss & Co., München konstruierte ‘D VIII’ von Reichenhall nach Berchtesgaden.

Die Steigung der Strecke, wie das Güteraufkommen – hier vor allem Kohle als Brennstoff für die Sudpfannen – und nicht zuletzt die lange Fahrzeit von Reichenhall nach Berchtesgaden von anfänglich 90 Minuten, später 70 Minuten, sprachen für die neu eingeführte Technik der Elektrifizierung. So wurde bis 1913 in Bad Reichenhall das Saalachkraftwerk errichtet (welches bis heute Bahnstrom liefert), 1916 wurde der elektrische Bahnverkehr aufgenommen. Dennoch waren noch bis in die 1950er-Jahre Dampflokomotiven in Berchtesgaden anzutreffen.

Parallel wurde auch auf österreichischer Seite das Berchtesgadener Land erschlossen. Bereits 1886 errichtete die Salzburger Eisenbahnund Tramwaygesellschaft (SETG) eine Lokalbahn vom Salzburger Hauptbahnhof durch die Stadt Salzburg und weiter über Hellbrunn und Grödig zur vorläufigen Endstation Drachenloch an der Staatsgrenze nahe Marktschellenberg. Über 20 Jahre später, im Sommer 1907, erfolgte dann der Lückenschluss nach Berchtesgaden, zwei Jahre später wurde die Königsseebahn von Berchtesgaden zum nahen Königssee realisiert.

Das Aufkommen auf der Bahnstrecke Freilassing – Bad Reichenhall – Berchtesgaden nahm kontinuierlich zu. So wurde auch die Infrastruktur laufend erneuert und ergänzt. Ab 1929 wurden stärkere Elektrolokomotiven eingesetzt, der Bahnhof Berchtesgaden wurde sukzessive ausgebaut, und in Bischofswiesen entstand eine umfangreiche Abstellanlage.

Im Herbst 1938 wurde quasi über Nacht die Lokalbahnstrecke Berchtesgaden – Hangender Stein (Grenze) stillgelegt und abgetragen. Der Hintergrund war die Planung zur Errichtung einer Hauptbahn von Berchtesgaden entlang der Königssee-Ache über Schellenberg nach Elsbethen. Noch heute zeugen davon das überdimensionale Bahnhofsgebäude und der über 200 Meter lange Bahntunnel östlich des Hauptbahnhofes. Infolge des Zweiten Weltkrieges wurde das Projekt aber nicht mehr weiterverfolgt. Von nun an trug die Bahnlinie Freilassing – Bad Reichenhall – Berchtesgaden die gesamte Transportlast im Berchtesgadener Land.

Wie bei vielen anderen Bahnen nahm der Erfolg unmittelbar nach dem Krieg mit der Zunahme des Individualverkehrs seit den sechziger Jahren stetig ab. So wurde 1965 auch die Königsseebahn von Berchtesgaden zum beliebten Tourismusziel in den Berchtesgadener Alpen stillgelegt und dem Schienenersatz- bzw. Autoverkehr überlassen.
 

Zukunft trifft Vergangenheit: Triebwagen ET 7 „Grüne Elektrische“ verkehrte bis 1938 von Salzburg über die direkte Strecke durch die Stadt Salzburg und über Hellbrunn, Anif, Grödig, Marktschellenberg nach Berchtesgaden und auch weiter bis zum Königssee. ET 131 „Flirt“ verkehrt ab Dezember 2009 im System S-Bahn Salzburg integriert über Taxham-Europark, Freilassing, Piding, Bad Reichenhall, Bayerisch Gmain und Bischofswiesen nach Berchtesgaden.

Foto: Philipp Mackinger

Trotzdem konnte sich aber die Bahnlinie von Freilassing nach Berchtesgaden vor allem im Fernverkehr behaupten. Gerade in den fünfziger und sechziger Jahren zeugen davon zahlreiche Sonderzüge, welche Gäste aus Norddeutschland in die bayrische Gebirgsregion brachten. Seit 1983 gab es zwei tägliche Fernverkehrsverbindungen von/nach Dortmund und Hamburg. Letztere verkehrt auch heute noch.

Mit dem Sommerfahrplan 2006 wurde endlich auch der Nahverkehr adäquat aufgewertet. ÖBB-Talent-Triebwagen verkehrten seitdem im Auftrag der DB-Regio auf der Berchtesgadener Strecke, wobei die Züge meist bis Salzburg, Golling, Schwarzach oder Saalfelden umlauftechnisch durchgebunden wurden.
 

Bis Dezember 2009 bewältigten ausschließlich die ÖBB-Triebwagen BR 4023/24 stündlich den Nahverkehr im Auftrag von DB Regio. Zukünftig verkehrt der Talent im Auftrag der BLB, meist ist aber der Flirt auf der Berchtesgadener Land Bahn unterwegs.

Foto: Philipp Mackinger


Die Ausschreibung des Bahnbetriebes

Wie in Bayern schon auf vielen anderen Strecken geschehen, schrieb die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) 2006 den Betrieb zwischen Freilassing und Berchtesgaden mit zunächst rund 420.000 jährlichen Zugkilometern öffentlich aus. Das Ziel der bayrischen Regierung war dabei klar: mehr und bessere Leistung für weniger Geld.

Den Zuschlag für den Regionalverkehr ging an die Bietergemeinschaft Regentalbahn AG / Salzburg AG. Das Wettbewerbsprojekt war in dem bereits im Jahr 2004 abgeschlossenen Verkehrsdurchführungsvertrag mit der DB Regio vereinbart und im bayerischen Schienennahverkehrsplan für die Jahre 2003 bis 2006 entsprechend veröffentlicht worden. Weiterhin setzte sich der Landkreis Berchtesgadener Land sehr dafür ein, die Verkehrsleistungen auf der Berchtesgadener Bahn im Wettbewerb zu vergeben, nachdem die Deutsche Bahn die Strecke lange vernachlässigt hatte.

Gegenstand der Ausschreibung waren SPNV-Leistungen auf der Linie Freilassing – Berchtesgaden ab dem Fahrplanjahr 2010 mit einer Vertragslaufzeit von zwölf Jahren. Gefordertwar der Einsatz neuer, leistungsstarker, klimatisierter und niederfluriger Triebwagen. Die Bietergemeinschaft wird diese Forderungen mit dem Einsatz von fünf fabrikneuen Elektrotriebwagen des Typs „Flirt“ der Firma Stadler erfüllen.

Ursprünglich strebte die BEG eine gemeinsame Ausschreibung des grenzüberschreitenden Verkehres mit dem Land Salzburg an, was im Hinblick auf das S-Bahn-System Salzburg durchwegs Sinn ergeben hätte. Schlussendlich scheiterte dieses Ansinnen aber an den rechtlich sehr komplexen Rahmenbedingungen und Finanzierungsfragen, so dass „nur“ die Strecke Freilassing – Bad Reichenhall – Berchtesgaden ausgeschrieben wurde.

Diese Tatsache stellte die Bietergemeinschaft auch vor die größte zu nehmende Hürde auf dem Weg zur Betriebsaufnahme. Seitens der Fahrgäste und auch der regionalen Politik auf beiden Seiten der Staatsgrenze wurde die derzeit von DB/ÖBB realisierte durchgängige Verbindung nach Salzburg gefordert, ohne dass jedoch hierfür eine Finanzierung auf der Salzburger Seite zur Verfügung gestellt wurde. Gemeinsam mit den ÖBB wurde lange an einer Durchbindung gearbeitet, die auf einem Naturalausgleich der Leistungen beruht, sodass keine größeren Transferzahlungen fließen.


Die Berchtesgadener Land Bahn
Am 4. Mai 2009 wurde die Berchtesgadener Land Bahn GmbH gegründet, wobei sowohl die Regental Bahnbetriebs-GmbH als auch die Salzburg AG je 50 % halten. Beide Mutter-Gesellschaften bringen mehr als einhundert Jahre Erfahrung und Tradition im Eisenbahnverkehr ein, sodass die gemeinsame Tochtergesellschaft sicher betrieblich-technisch erfolgreich wird. Ob dies auch im Hinblick auf die Fahrgäste und die Nachfrage der Fall sein wird, ist offen. Das Betriebskonzept, die neuen Fahrzeuge, der Schaffnerbetrieb und die Vermarktung sind jedenfalls dazu angetan, dass sich auch auf der Seite der Fahrgastnachfrage Erfolg einstellt.

Die BLB schafft 32 neue Arbeitsplätze – 15 Zugbegleiter und 17 Triebfahrzeugführer. Mitarbeiter, welche heute bei der Deutsche Bahn AG tätig sind, haben sich nicht für die ausgeschriebenen Stellen beworben. 25 Arbeitsplätze wurden von der BLB mit MitarbeiterInnen aus dem Berchtesgadener Land besetzt und somit dort 25 neue Arbeitsplätze geschaffen, sieben kommen aus Salzburg und anderen Regionen Deutschlands.
 

Die Berchtesgadener Land Bahn setzt auf Qualität und Service. Neben einem attraktiven Fahrplan sind es die Zugbegleiter und -innen, die dem Fahrgast im Zug Fahrscheine verkaufen, Service bieten und Sicherheit vermitteln.

Foto: Philipp Mackinger

Wie bei der Salzburger Lokalbahn seit Jahren bewährt, setzt auch die BLB auf Zugbegleiter/-innen, die dem Fahrgast im Zug Fahrscheine verkaufen, Service bieten, Sicherheit vermitteln und einfach für ihre Fahrgäste da sind, wo sie gebraucht werden. Konsequenterweise werden die derzeit bestehenden Fahrscheinautomaten abgebaut; fehlendes Kleingeld, nicht funktionierende Automaten oder das „Fahrgast-Abitur“ als Voraussetzung für einen richtigen Fahrschein gehören damit der Vergangenheit an. Selbstverständlich erfolgt der Verkauf von Fahrscheinen im Zug ohne Aufpreis.

Neu auf der Strecke zwischen Freilassing und Berchtesgaden ist die Einführung der 1. Klasse in einem abgetrennten Bereich, der die Fahrgäste noch komfortabler reisen lässt.

Die BLB sieht sich als regionale Bahn: Für die Region und verbunden mit der Region. Daher wird großer Wert auf regionale Partner gelegt, mit denen Kooperationen eingegangen werden, um den Fahrgästen Mehrwerte zu bieten. Diese werden sich in regelmäßigen Gutscheinaktionen äußern, durch welche die Fahrgäste die Leistungen der Kooperationspartner gratis oder verbilligt nutzen können.

 

Die Eisenbahn im Berchtesgadener Land – Impressionen einer bewegten Bahnbetriebsgeschichte

„Hallthurm“ – ein markanter Streckenabschnitt im Berchtesgadener Land ist der Namensgeber der Dampflokomotive ‘D VIII’ aus den Anfangsjahren des Betriebes.

Quelle: Slg. Gerhard Thiel

Auch die Güterzuglokomotiven BR 194 kamen regelmäßig in das Berchtesgadener Land.

Quelle: Slg. Gerhard Thiel

Die Elektrolokomotiven der Baureihe BR 1445 zählten jahrelang zu den Stamm-Triebfahrzeugen im Berchtesgadener Land.

Foto: Gerhard Thiel

Die Universallokomotiven BR 140 mit den Nahverkehrswagen „Silberlinge“ prägten lange das Bild im Berchtesgadener Land.

Foto: Gerhard Thiel

Im Nahverkehr kamen auch die Schnellzuglokomotiven BR 111 zum Einsatz.

Quelle: Slg. Gerhard Thiel

Wendezüge mit zuletzt modernisierten „Silberlingen“ auf der Strecke Freilassing – Berchtesgaden, eine jahrzehntelange Betriebsform.

Foto: Thomas Oberkalmsteiner

Von Dezember 2006 bis Dezember 2009 verkehrten die ÖBB-Triebwagen BR 4023/4024 im Auftrag von DB Regio als EUregionale Verbindung zwischen Salzburg, Freilassing und Berchtesgaden.

Foto: Thomas Oberkalmsteiner

Ab Dezember 2009 ist die Berchtesgadener Land Bahn grenzüberschreitend unterwegs.

Foto: Peter Brandl


Fahrzeuge
Die BLB hat bei AngelTrains fünf Triebwagen des Typs „Flirt“ geleast. Der von Stadler in Berlin-Pankow produzierte „Flirt“ – was für Flinker Leichter Innovativer Regional-Triebzug steht – ist ein speziell für den Regional- und S-Bahnverkehr konstruierter Niederflur-Triebzug. Die dreiteilige Ausführung der BLB ist ein klassisches Vollbahnfahrzeug mit 58 Meter Länge und einer Spurweite von 1.435 mm. Die elektrische Ausrüstung ist auf eine Fahrdrahtspannung von 15 kV bei 16,7 Hz ausgelegt. Damit wird eine maximale Antriebsleistung von beachtlichen 2.600 kW erreicht, weshalb die besonderen Merkmale des „Flirt“ auch die große Beschleunigung und die starke Bremskraft sind – und das bei geringem Gewicht. Ungewöhnlich ist auch die im Nahverkehr sehr hohe Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h, die jedoch auf der gegenständlichen Strecke nicht erreicht wird.

Im Fahrzeug gefällt die übersichtliche Raumaufteilung, wobei der Niederflur- Anteil fast 90 % (Fußbodenhöhe 600 mm über Schienenoberkante) beträgt, sodass der durchgehend barrierefreien Fahrgastraum keine Stolperstufen aufweist. Drei Multifunktionsabteile an den 1,3 Meter breiten Türen schaffen Platz für Fahrräder, Kinderwagen, Rollstühle und Traglasten. Um an den Bahnsteigen mit teilweise unterschiedlicher Höhe auch ein barrierefreies Ein- und Aussteigen zu ermöglichen, verfügt das Fahrzeug über Schiebetritte. Zusätzlich sind die Fahrzeuge der BLB auch mit 16 Plätzen der 1. Klasse ausgestattet.

Stadler hat mittlerweile schon mehr als 500 „Flirt“ in Betrieb genommen. Neben der Schweiz und Deutschland sind die Fahrzeuge beispielsweise auch in Ungarn, Italien, Finnland und Algerien unterwegs. Mittlerweile wird sogar ein „Doppelstock-Flirt“ entwickelt, welcher ab 2011 unter anderem bei der S-Bahn Zürich im Einsatz sein wird.

Technische Daten im Detail (Jpeg, 341 KB)

 

Betriebsablauf
Die Strecke stellt an die Betriebsplanung eine echte Herausforderung dar. Dafür sorgt schon einmal die Eingleisigkeit der gesamten Strecke. Kreuzungsmöglichkeiten bestehen zwischen Freilassing und Berchtesgaden nur in Hammerau, Piding, Bad Reichenhall, Hallthurm und Bischofswiesen. Gleichzeitig ist die Stellwerkstechnik dieser Strecke veraltet, die Höchstgeschwindigkeit mit 90 km/h (Freilassing – Bad Reichenhall) bzw. mit 50 km/h (Bad Reichenhall – Berchtesgaden) sehr niedrig festgelegt. Dazu kommen noch zahlreiche Langsamfahrstellen, verursacht vor allem durch Eisenbahnübergänge.

Fahrplantechnisch ist dann noch die Schwierigkeit der unterschiedlichen Anschlusszeiten in Freilassing zu meistern. Zwar verkehrt die S 3 Richtung Salzburg regelmäßig im 30-Minuten-Takt, allerdings sind auch für die Reisenden von/nach München und Mühldorf optimierte Übergänge zu bieten.

Dem nicht genug, stellt der viermal täglich verkehrende RE/RB (der von/nach Hamburg verkehrende „IC Königssee“) mit seinem abweichenden Fahrzeitenprofil (Lok und Wagen mit wesentlich schlechteren Beschleunigungs- und Bremswerten als der „Flirt“) eine weitere „Störquelle“ im Taktverkehr dar.

Im Versuch, alle Wünsche und Zwänge bestmöglich zu erfüllen, entstand der vorliegende Fahrplan, welcher sich trotz aller Zwänge ohne Weiteres mit dem Individualverkehr auf der Straße messen kann. In Berchtesgaden verkehrt die S 4 von 6:20 bis 20:20 stündlich und regelmäßig Richtung Freilassing (letzte Abfahrt 22:24). Ab Bad Reichenhall wird dieser Takt von der stündlich Richtung Freilassing – Salzburg – Golling verkehrenden S 3 überlagert (8:11 bis 19:11 mit zwei kleinen Abweichungen). Abfahrtsminute in Bad Reichenhall Richtung Norden ist so in der Regel 11 und 51. In der Gegenrichtung startet die von Salzburg kommende S 3 in Freilassing (bis Bad Reichenhall) zur Minute 29. Zur Minute 47 verkehrt dort die S 4 nach Berchtesgaden (Bad Reichenhall i. d. R. ab Minute 04).

Neu ist dabei nicht nur, dass tagesdurchgängig zwei Züge pro Stunde und Richtung verkehren. Vor allem der täglich gleiche Fahrplan, Werktag wie Sonntag, ermöglicht den Kunden eine einfache Handhabung der Bahn als Verkehrsmittel. Abweichend davon sind nur einige Züge in der Früh,welche vor allem dem Berufsverkehr dienen, sowie der am Freitag, Samstag und Sonntag verkehrende „Nachtzug“ ab Freilassing um 23:37, an in Berchtesgaden um 0:23. Er soll gerade der jungen Bevölkerung eine Alternative zum Pkw bieten; am Sonntag dient er der Bundeswehr als später Zubringer in die Kaserne.

Obwohl die BEG nur den Abschnitt Freilassing – Berchtesgaden ausgeschrieben hatte, war allen Beteiligten klar, dass, entsprechend den Kundenströmen, auch eine Durchbindung nach Salzburg bzw. eine Integration in das S-Bahn-Netz Salzburg sinnvoll wäre. Nur durch die partnerschaftliche Kooperation von ÖBB sowie BLB und die Unterstützung der BEG war es möglich, dass die stündlichen Züge der S 3 von/bis Bad Reichenhall bis/von Golling (am Sonntag nur bis/von Salzburg) verkehren. Hier wurde der Umlaufplan der Fahrzeuge so erstellt, dass viermal täglich der „Flirt“ von Bad Reichenhall bis Golling verkehrt. Achtmal täglich erreicht der „Talent“ Bad Reichenhall, womit annähernd ein Sitzplatzkilometer-Ausgleich möglich ist. Die Verantwortung wechselt ebenso in Freilassing wie auch das Zugpersonal. Somit sind auch die „Talent“ in Bayern mit Schaffner besetzt, die „Flirt“ verkehren in Salzburg ohne Zugbegleiter.

Werktägig verkehren so 15 Zugpaare der S 4 von Berchtesgaden bis Freilassing (dazu noch zwei Zugpaare RE/RB der DB Regio) und 12 Zugpaare als S 3 von Bad Reichenhall nach Salzburg/Golling.
 

Innerdeutschen Fernverkehr wird es auf der BLB auch zukünftig geben. Hier ist IC „Königssee“ am 14. April 2007 als RE2083 bei Hallthurm in Richtung Berchtesgaden unterwegs.

Foto: Thomas Oberkalmsteiner


Ausblick
Im Laufe des zwölfjährigen Verkehrsvertrages ist der Ausbau der Leistungen der BLB in verschiedener Hinsicht denkbar. So wird über neue Haltepunkte diskutiert (Freilassing-Hofham, Bad Reichenhall- Landratsamt, Bad Reichenhall-Mitte, Hallthurm), wobei hier jeweils das Wohlwollen der Deutsche Bahn AG Voraussetzung ist. Ohne deren Bereitschaft und vorgängige Finanzierung (die anfallenden Kosten fließen über Trassen – und Stationspreise wieder zurück) ist an eine Realisierung nicht zu denken. Möglich erscheint auch eine Verlängerung der Berchtesgadener Land Bahn in Berchtesgaden im Sinne einer Stadtbahn. Der erste Abschnitt – nämlich der alte Tunnel aus der Kriegszeit – ist dafür schon vorhanden.

Die BLB setzt alles daran, für die Region die Erwartungen zu erfüllen und die Berchtesgadener Land Bahn in die Herzen der Bevölkerung sowie der Touristen zu bringen. Nur wenn dies gelingt,war die Ausschreibung der Leistungen im Jahr 2006 jenseits von wirtschaftlichen Aspekten ein wirklicher Erfolg. Die BLB – Bahn der Menschen im Berchtesgadener Land.

Quellen:
• Angerer M. und H. Birkner (2009): 120 Jahre Bahngeschichte Berchtesgaden, Berchtesgadener Schriftenreihe Nr. 26.
• Behringer M. (2009): Aufbruchstimmung bei der Berchtesgadener Land Bahn, Regionale Schienen 1/2009.
• Harrer H. und B. Holcomb (1980): Salzburger Lokalbahnen, Verlag Slezak.
• Högl P. und W. Köppl (2007): Zukünftige Betreiber der Bahnstrecke nach Berchtesgaden, Regionale Schienen 1/2007.
• Mackinger G. (1985): Das Bw Berchtesgaden

 

Die Autoren

DI Peter Brandl ist Centerleiter ‘Stadt- und Regionalverkehr’ bei der Salzburger Lokalbahn. Er ist verantwortlicher Projektleiter zur Inbetriebnahme der Berchtesgadener Land Bahn.

DWI Arnulf Schuchmann ist Vize-Direktor der Salzburger Lokalbahn und Geschäftsführer der Berchtesgadener Land Bahn GmbH.

 

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