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Salzkammergut-Lokalbahn stoppt Abwanderung und stärkt die Wirtschaft in der Region
RS-Obmann & Herausgeber Peter HAIBACH im Gespräch mit Bürgermeister Johannes PEINSTEINER, St.Wolfgang am Wolfgangsee, Oberösterreich


RS:
Herr Bürgermeister, Sie blicken auf eine langjährige erfolgreiche berufliche und politische Tätigkeit zurück. Sie sind kürzlich in den Oberösterreichischen Landtag gewählt worden, wozu wir gratulieren. Sie sind in wichtigen nationalen wie internationalen Gremien vertreten und beeinflussen damit Land und Bund.Was ist Ihnen besonders gut gelungen, wenn Sie an Mobilität der Menschen in Ihrer Region denken?

Peinsteiner: Der Wolfgangsee, das gesamte Salzkammergut ist die eindrucksvollste Natur- und Kulturlandschaft Europas mit einem riesigen Erlebnis- und Erholungspotenzial. Um die Region in Ruhe erleben und erforschen zu können, wurden und werden Wander-, Geh- und Radwege angelegt. Durch die Errichtung des Wolfgangsee-Radweges zwischen Strobl und St.Wolfgang ist es gelungen, ein gefahrloses Radfahren zu gewährleisten. Die Herausforderung war groß, galt es doch, mit möglichst umweltschonenden Bauwerken zwischen Berg und See Platz für den Radweg zu gewinnen. Derzeit errichten wir die letzte Etappe ins Ortszentrum von St.Wolfgang. Diese soll im Sommer 2010 zur Verfügung stehen.
 

Peter Haibach im Gespräch mit Bürgermeister Johannes Peinsteiner.

Foto: Christa Schlager

RS: Ihre Vielseitigkeit dokumentieren Sie auch als Erfinder von Elektrofahrzeugen, des sogenannten „Rollermax“. Peinsteiner: Ich denke, dass Elektroräder bzw. -roller ein ideales Verkehrsmittel für die Mobilität in den Städten und Orten sind und wesentlich dazu beitragen können, rascher und umweltfreundlicher unterwegs zu sein – vor allem auch platzsparend.

Peinsteiner: Ich denke, dass Elektroräder bzw. -roller ein ideales Verkehrsmittel für die Mobilität in den Städten und Orten sind und wesentlich dazu beitragen können, rascher und umweltfreundlicher unterwegs zu sein – vor allem auch platzsparend.

RS: Zwei bedeutende Verkehrsunternehmen, nämlich Schafberg- Bahn und WolfgangseeSchifffahrt, wurden im Jahr 2006 von den ÖBB an die Salzburg AG verkauft. Hat sich dadurch für die Gemeinden am Wolfgangsee etwas verändert?

Peinsteiner: Seit der Übernahme funktioniert es! Es gibt jetzt Ansprechpartner vor Ort, ein Team, das etwas bewegen will. Früher warteten wir monatelang auf eine Antwort aus Wien. Jetzt finden wir eine perfekte Organisation vor, die wir gerne unterstützen. Es ist ein Ruck durch das Unternehmen gegangen, die Bediensteten der SchafbergBahn und WolfgangseeSchifffahrt kommen mit ihrem neuen Besitzer gut aus, sind motiviert und schätzen es, vielseitig bei Bahn und Schifffahrt eingesetzt zu werden,weil sie auch entsprechend ausgebildetwerden. Darunter gibt es sogar einen singenden Kapitän, der auf dem Operettenschiff seine Auftritte hat – das kommt gut an!

RS: Was tragen die Gemeinden rund um den Wolfgangsee dazu bei?

Peinsteiner: Die Anrainergemeinden Strobl, St. Gilgen und St. Wolfgang haben ein gemeinsames Marketingbudget, das die Tourismuswirtschaft ankurbeln soll und ein ansprechendes Angebot Sommer wie Winter möglich macht, wie z.B. in der kommenden Adventzeit. Der Tourismus am Wolfgangsee ist sicher sehr witterungsanfällig, trotzdem scheint es gelungen zu sein, bei beiden Verkehrsunternehmen die Fahrgastzahlen zu steigern.
 

Bürgermeister Johannes Peinsteiner liegt mit dem vom ihm entwickelten „Rollermax“ voll im Trend.

Foto: Christa Schlager


RS: Gibt es Rückmeldungen von Touristen über die neue Marketingstrategie?

Peinsteiner: Für unsere Gäste ist es besonders angenehm, dass Platzkarten vorbestellt werden können, telefonisch oder per Internet, was in ÖBB-Zeiten nicht möglich war. Es hat sich auch das Erscheinungsbild geändert: Loks und Fahrzeuge wurden neu gestrichen, teils neue beschafft, das Personal glänzt in neuen Uniformen.

RS: Kürzlich haben Bund und die Länder Oberösterreich und Salzburg ein Investpaket von sieben Millionen Euro für die Erneuerung der Infrastruktur der SchafbergBahn beschlossen. Haben sich die Gemeinden dabei engagiert?

Peinsteiner: Natürlich sind wir in diese Verhandlungen involviert gewesen, und wenn es sich irgendwo spießt, setzen wir Bürgermeister uns dafür ein, dass die Verhandlungen erfolgreich abgeschlossen werden können.

RS: In jüngster Zeit engagieren Sie sich für die Wiedererrichtung der Salzkammergut-Lokalbahn – SKGLB – (Ischlerbahn) von Salzburg nach Bad Ischl. Warum setzen Sie sich für ein so utopisches Projekt – wie manche meinen – so ein?

Peinsteiner: Wenn wir 15 Jahre vorausschauen, den zunehmenden Auto- und Lkw-Verkehr wahrnehmen, weiß man, es muss etwas geschehen. Hinzu kommt auch noch, dass wir dem Abwanderungstrend der Jugend begegnen wollen. Die wollen rasche Verbindungen in die Stadt Salzburg und sind gerne mit Laptop unterwegs, denen wollen wir etwas bieten.

RS: Teilen die anderen Bürgermeister in der Region Ihre Euphorie für die SKGLB?

Peinsteiner: Die Meinung der Bürgermeister ist unterschiedlich; grundsätzlich sind die meisten dafür, manche befürchten, dass durch eine attraktive Zugverbindung nach Salzburg die Gemeinde zu sehr zu Schlaforten macht und auch die Grundstückspreise dadurch steigen werden. Ich gehe vom Gegenteil aus, nämlich dass dadurch unsere Region weiter an Lebensqualität gewinnt und die Jugend bei uns bleibt oder sogar wieder zurückkommt.

RS: Mit welchem Zeithorizont ist der Wiederaufbau der SKGLB zu sehen?

Peinsteiner: Realistisch ist das Jahr 2025. Jetzt geht es darum, die Bahntrassen freizuhalten und dort, wo es notwendig ist , neue Trassen festzulegen. Notwendig ist es, einerseits die Bevölkerung von der Sinnhaftigkeit zu überzeugen, andererseits mit den Bürgermeisterkollegen Exkursionen in andere Regionen zu machen, wo ähnliche Regionalbahnen bereits gut funktionieren. Eine Exkursion nach Karlsruhe hat es schon gegeben, eine zur Bayerischen Oberlandbahn ist geplant, eine weitere zur Vinschgaubahn nach Südtirol soll die Sinnhaftigkeit einer solchen Bahn in einer Bergregion veranschaulichen.

RS: Wir könnten Ihnen im nächsten Jahr einen Besuch bei Schweizer Bahnen vermitteln, wenn Sie das wünschen.

Peinsteiner: Das würde mir zusagen, und ich bin überzeugt, dass daran auch Bürgermeisterkollegen teilnehmen würden.

RS: Mitwelchen Kosten ist bei der Wiedererrichtung der SKGLB zu rechnen?

Peinsteiner: Ohne eine fundierte Machbarkeitsstudie kann darüber keine seriöse Aussage gemacht werden. Als erster Schritt wären ca. 250.000 Euro für die Machbarkeitsstudie zu finanzieren, da sind wir gerade dabei, das Geld aufzubringen.

RS: Ihr Mut und Ihre Entschlossenheit imponieren. Sie kämpfen für die Wiedererichtung einer Bahnlinie, die vor 52 Jahren eingestellt wurde. In anderen Regionen sehen die Bürgermeister keine Notwendigkeit sich für ihre noch bestehenden Regionalbahnen einzusetzen. Was würden Sie denen raten, wohlwissend, dass viele Regionalbahnen aufgrund der Sparpolitik sich in einem teils schlechten Zustand befinden?

Peinsteiner: Nachdem ich,wie oben ausgeführt, der Ansicht bin, dass Regionalbahnen die wirtschaftliche Entwicklung von Regionen positiv beeinflussen und die Abwanderung stoppen helfen,wäre es aus meiner Sicht hilfreich, die Entwicklungspotenziale zu analysieren und festzustellen, ob durch Marketingmaßnahmen touristische Möglichkeiten bestehen.Faktum ist:Eine einmal eingestellte und abgetragene Bahn wieder aufzubauen, ist bei Weitem schwieriger und teurer, als eine bestehende Bahn zu sanieren. Uns ist es jedenfalls in Falle der SchafbergBahn gelungen, mit vereinten Kräften ein Investprogramm mit den Gebietskörperschaften zu vereinbaren, das die über 100 Jahre alte Infrastruktur der Schafbergbahn modernisieren wird.

RS: Wie sehen Sie generell die Zukunft der Regionalbahnen? Die ÖBB fahren derzeit einen harten Sanierungskurs und wollen flächendeckend Regionalbahnen einstellen, vor allem in NÖ.

Peinsteiner: Ich würde mir eine faire Vorgangsweise wünschen, die man sich durchaus vom Straßenbau abschauen kann. Eine Gemeinde oder ein Land wird eine Straße nicht übernehmen, wenn sie nicht vorher in Ordnung gebracht wird. Im Falle der Regionalbahnen würde dies bedeuten, dass die Sanierungkosten für die Infrastruktur vom Bund übernommen werden müsste, bevor sie an die Länder übergeben werden.

RS: Sehen Sie die Übernahme der SchafbergBahn und der WolfgangseeSchifffahrt durch die Salzburg AG und den Betreiberwechsel von ÖBB zur Salzburger Lokalbahn als Modell auch für andere Regionalbahnen?

Peinsteiner: Durchaus! Für uns hat sich der Betreiberwechsel als sehr positiv herausgestellt, wir schätzen die Entscheidungsfreude des Managements vor Ort und das fachkundige Marketing. Dieses Erfolgsmodell wäre sicher auch für andere Regionen gangbar.

RS: Herr Bürgermeister, wir danken Ihnen für das interessante Gespräch, wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg. Um die Region Wolfgangsee ist es aufgrund Ihres Wirkens gut bestellt.

 

Zur Person Johannes Peinsteiner

Johannes Peinsteiner ist Landtagsabgeordneter und Bürgermeister von St. Wolfgang am Wolfgangsee (Oberösterreich). Erfinder und Gründer der Firma Rollermax-Elektrofahrzeuge. Weiters ist er vertreten im Tourismusausschuss des Österreichischen Gemeindebundes, Europaausschuss des Österreichischen Gemeindebundes, Bundesvorstand des Österreichischen Gemeindebundes, Vertreter des Österreichischen Gemeindebundes beim Rat der Gemeinden und Regionen Europas, Vertreter des Österr. Gemeindebundes beim UCLG, Stv. Mitglied im ADR, Ausschuss COTER (Mobilität), Vertreter des Österreichischen Gemeindebundes beim Kongress der Gemeinden und Regionen des Europarates.

 

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