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Die Kosten des
Öffentlichen Verkehrs
Über Verwirrspiele,
Meinungsverschiedenheiten
und Notwendigkeit
von Heinz
Högelsberger
Wie viel zahlt der Bund
für die Bahn?
Darüber war sich im
Herbst 2009 nicht einmal
die Bundesregierung
einig. Während
Finanzminister Josef
Pröll von 7 Milliarden
Euro sprach, gab es sein
Staatssekretär Reinhold
Lopatka (beide ÖVP) mit
6,8 Milliarden etwas
billiger.
Verkehrsministerin Doris
Bures (SPÖ) wies
detailliert nach, dass
die Budgetzuschüsse
lediglich bei der Hälfte
liegen: nämlich bei rund
3,5 Milliarden Euro.
Hier der Vergleich
dieses Zahlenwirrwarrs:
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Budgetkosten für
2009
(in
Millionen Euro) |
Bures [1] |
Lopatka [2] |
|
Betrieb und
Instandhaltung
des
Eisenbahnnetzes
sowie Verschub |
1.018,– |
1.900,– |
|
Gemeinwirtschaftliche
Leistungen |
532,– |
|
|
Für spezielle
Güterverkehre –
ROLA
und gefährliche
Gütertransporte |
105,– |
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Bundeszuschuss
gemäß
Bundesbahngesetz
zu
Infrastruktur-Ausbau |
224,– |
|
|
Haftung für
Infrastruktur-Ausbau |
|
2.800,– |
|
ÖBB-Pensionszahlungen |
1.600,– |
2.067,– |
|
Summe |
3.479,– |
6.767,– |
Ein zentraler
Streitpunktwaren die
Kosten für den Ausbau
der Schienen-
Infrastruktur. So waren
für den Neubau des
Schienennetzes im
Vorjahr fast drei
Milliarden Euro
veranschlagt. Dies muss
allerdings von den ÖBB
bezahlt werden, der
Bundeszuschuss aus dem
Budget hierfür lag 2009
„nur“ bei 224 Millionen.
Dieser Trick schont das
Staatsbudget und wird
auch bei den Autobahnen
und Schnellstraßen
angewandt. Dort verbaut
die ASFINAG weitaus mehr
Geld, als sie durch
Mauteinnahmen einnimmt,
und ist deshalb mit mehr
als elf Milliarden Euro
verschuldet.
Unterschiedliche
Standpunkte gab es auch
beim Dauerthema
„ÖBB-Pensionen“. Hier
nimmt Lopatka die
Budgetausgaben für die
ÖBB-Beamtenpensionen,
„vergisst“ aber auf die
Einnahmenseite. Dort
findet sich fast eine
halbe Milliarde, die
z.B. aktive ÖBB-Beamten
als
„Pensionssicherungsbeitrag“
einzahlen.
Berücksichtigt man dies,
liegt die
Budgetbelastung bei rund
1,6 Milliarden.
Interessanterweise wird
im öffentlichen Disput
immer nur über die
Pensionen der
ÖBB-Bediensteten, nicht
aber über jene der Post-
und Telekombediensteten
gesprochen. Diese
belasten den
Staatshaushalt mit rund
einer Milliarde Euro
jährlich. Hier wurden
viele Beamte – ebenfalls
auf Staatskosten – in
Frühpension geschickt,
um die Unternehmen fit
für die Börse zu machen
und die Aktionäre mit
Renditen zu bedienen.
Ist das der Grund, warum
immer nur die
ÖBB-Pensionen im Visier
sind?
Die Rolle der
Bundesländer
Bahnbau ist primär Sache
des Bundes bzw. der ÖBB.
Die Länder Steiermark
und Kärnten zahlen
allerdings einen Beitrag
von jeweils 140
Millionen Euro zum Bau
der Koralmbahn.
Niederösterreich hat die
Vorfinanzierung für den
Ausbau des Marchegger
Astes der Ostbahn
abgelehnt, tut dies
hingegen bei der
parallel dazu
verlaufenden
Marchfeld-Schnellstraße
S 8.
Die Bundesländer
bestellen und zahlen
mittels
Verkehrsdiensteverträgen
(VDV) Zugleistungen bei
den ÖBB. In Summe waren
dies 110 Millionen Euro
im Jahr 2009 und 126
Millionen Euro für 2010.
Hier baut Oberösterreich
seine ohnehin schon
führende Stellung 2010
weiter auf 31,53
Millionen Euro aus.
Deutlich werden die
Unterschiede zwischen
den Bundesländern, wenn
man die aktuellen
VDVZahlungen je
Einwohner vergleicht:
2010 kommen auf jeden
Tiroler 34,5 Euro,
gefolgt von
Oberösterreich mit 22,4
Euro.
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Zahlungen der Länder für Verkehrsdiensteverträge mit den
ÖBB je Einwohner (2009 & 2010) in Euro. Oberösterreich, Salzburg,
Tirol und Steiermark wenden darüber hinaus erhebliche
Mittel für Privatbahnen auf.
Grafik: Heinz Högelsberger |
Gerade das Land
Oberösterreich ist
aufgrund seines
transparent gestalteten
Budgets ein gutes
Beispiel dafür, um die
Ausgaben für den
Verkehrssektor
nachvollziehen zu
können. Laut
Budgetvoranschlag 2009
gab das Land für Bau und
Erhalt von Straßen 256,5
Millionen Euro aus [3].
Die geplanten Zahlungen
für den Öffentlichen
Verkehr (Busse, ÖBB,
Privatbahnen,
Verkehrsverbünde) lagen
im gleichen Jahr bei
73,8 Millionen. Im
Budgetnachtrag gab es
noch weitere 7 Millionen
für die Öffis. Selbst in
diesem Öffi-freundlichen
Bundesland bekommt die
Straße immer noch rund
viermal mehr Geld. Hinzu
kommt, dass 2009 weitere
150 Millionen Euro für
Autobahnen und
Schnellstraßen auf dem
Gebiet von
Oberösterreich
ausgegeben wurden [4].
2,5 Milliarden –
anders betrachtet
Insgesamt hatte der
Öffentliche Verkehr im
Jahr 2005 in Österreich
einen Finanzbedarf von
etwa 2,5 Milliarden Euro
zur Deckung der
laufenden Kosten. Etwa
eine Milliarde wurde
durch Fahrkarten
eingenommen, der Bund
zahlte rund 850
Millionen hinzu,
Bundesländer und
Gemeinden weitere 650
Millionen Euro. Der
Förderungen des Bundes
stiegen im Jahr 2009 auf
rund 1,1 Milliarden Euro
an [5].
Die Statistik Austria
erhebt alljährlich, wie
viel die
Gebietskörperschaften
für Straßenbau, Straßen-
und Schienenverkehr
insgesamt (also für
Betrieb und
Infrastruktur) ausgeben.
Folgende Aufstellung
zeigt die Daten für 2008
[6]:
|
in
Millionen Euro |
Bundesländer
(ohne Wien) |
Wien |
Gemeinden |
Summe |
|
Straßenbau |
1.300,62 |
119,07 |
1.168,18 |
2.587,8 |
|
Straßenverkehr |
100,75 |
5,88 |
65,74 |
172,37 |
|
Schienenverkehr |
131,25 |
681,8 |
18,62 |
831,67 |
Obwohl Wien mit seinem
dichten U- und
Straßenbahnnetz die
Ausgaben der Länder und
Gemeinden für den
Schienenverkehr kräftig
nach oben drückt, liegen
die Kosten für den Bau
und Erhalt der Landes-
und Gemeindestraßen bei
2,59 Milliarden Euro.
Zum Vergleich: Für
Betrieb und
Instandhaltung des
bestehenden
Eisenbahnnetzes
(inklusive Verschub)
zahlt der Staat derzeit
rund eine Milliarde Euro
pro Jahr an die ÖBB.
Während immer mehr
Regionalbahnen
stillgelegt werden,
fließt extrem viel Geld
in deren Pendant,
nämlich in die
Nebenstraßen. Hier würde
es niemand wagen, eine
schwach befahrene
Gemeindestraße wegen
mangelnder
Verkehrsauslastung zu
sperren.
Externe Kosten sind
solche, für die nicht
der Nutzer bzw.
Verursacher aufkommt,
sondern die von der
Allgemeinheit, der
Umwelt oder
nachfolgenden
Generationen getragen
werden müssen. Allein
bei den Umwelt- und
Gesundheitskosten ist
das Verhältnis zwischen
Bahn und Schiff
einerseits und Lkw
andererseits rund 1 zu
12. Wird eine Tonne
1.000 Kilometer
transportiert, fallen
auf der Schiene 8,4 Euro
an externen Kosten an,
beim Schiff 7,4 Euro,
beim Straßengüterverkehr
jedoch 112,9 Euro. In
absoluten Zahlen
bedeutete dies – schon
im Jahre 1998 -, dass
der Lkw-Verkehr Schäden
von 2,4 Milliarden Euro
verursachte, der
Frachtverkehr auf der
Schiene nur 128
Millionen [7].
Fazit
Die Kosten für den
Betrieb des Öffentlichen
Verkehrs sind also etwa
gleich hoch wie jene für
den Erhalt des
niederrangigen
Straßennetzes oder für
die Schäden, die der
Lkw-Verkehr anrichtet.
Ein attraktives,
dichtes,
leistungsfähiges und
leistbares Öffi-Netz
hätte fast nur Gewinner:
die Menschen, die es
nutzen, die öffentlichen
Budgets, Umwelt und
Gesundheit – und nicht
zuletzt die
Beschäftigten. Um
Menschen und Güter auf
die Schiene bzw. in den
Bus zu bekommen,reicht
aber der Öffi-Ausbau
alleine nicht aus.
Begleitend dazu müssen
unökologische und damit
für die Allgemeinheit
teure Verkehrsformen
zurückgedrängt werden.
Echte Kostenwahrheit
könnte dazu führen, dass
Öffis quasi zum
finanziellen
Selbstläufer
werden:Attraktive Öffis
werden besser
angenommen. Dies erhöht
die Auslastung und somit
den Kostendeckungsgrad.
Wird gleichzeitig der
Pkw-Verkehr
unattraktiver (höhere
Öl- und
Treibstoffpreise,
Klimaschutzmaßnahmen,
Parkraumbewirtschaftung
usw.), kommen
zusätzliche Kunden
hinzu, und eine Spirale
„positiven Feedbacks“
setzt sich in Gang.
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[1] Offener Brief von
BM Doris Bures an BM
Josef Pröll (22.9.2009)
[2] OTS-Aussendung von
Staatssekretär Lopatka
vom 22.9.2009
[3]
http://www.land-oberoesterreich.gv.at/budget/
[4] Wirtschaft & Umwelt
(Nr.4/2009) Seite 15.
[5] VCÖ: (2010):
Öffentlicher Verkehr –
Weichenstellungen für
die Zukunft
[6] Statistik Austria
(2009): Gebarungen und
Sektor Staat – Teil 2;
2008.
[7] BMVIT (2007):Verkehr
in Zahlen
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Zum Autor |
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Heinz Högelsberger wuchs in Wien auf und studierte dort Erdwissenschaften. Nachdem er mehrere Jahre in seinem erlernten Beruf an Universitäten in Irland und Österreich tätig war, wechselte er 1993 in die Umweltbewegung (Greenpeace, Anti Atom International, GLOBAL 2000). Er war dort für Energie-, Klima- und Verkehrsfragen zuständig. Seit 2009 arbeitet er im ReferatWirtschaft der Gewerkschaft vida. |
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